Die IDS für Implantologen – Interview mit Dr. Rolf Vollmer
Herr Dr. Vollmer, Sie sind stellvertretender Vorsitzender der traditionsreichsten implantologischen Gesellschaft. Wo stehen wir heute, und was ist für die kommenden Jahre zu erwarten?
Der Gesamttrend, auch wenn ich ihn nicht in jeder Hinsicht befürworte, liegt sicherlich in neuen Oberflächen, schnelleren Einheilzeiten, schnellerer Versorgung des Patienten. In den nächsten zwei bis fünf Jahren können Fortschritte vielleicht auf dem Gebiet der biologischen Oberflächen erzielt werden. Auch bei den Knochenersatzmaterialien könnte ich mir Weiterentwicklungen vorstellen, zumal man den Stein der Weisen bisher noch nicht gefunden hat. Es gab in der Vergangenheit sehr viele vermeintliche Trends, die für den Anwender teilweise auch mit ganz erheblichen Anschaffungskosten verbunden waren, sich dann aber wieder in Schall und Rauch aufgelöst haben.
Welche grundsätzlichen Probleme sind dabei ungelöst geblieben?
Positiv zu Buche schlagen die Lösungen komplexer technischer Aufgaben. Denken Sie nur an die bildgebenden Verfahren – seien es digitale Röntgensensoren, Speicherfolientechnik oder Filter zur speziell implantologischen Auswertung der Aufnahmen – oder an den biologischen Bereich der Membranen, Knochenersatzmaterialien, Wachstumsfaktoren. Das ist Innovation pur. Erstaunlicherweise gibt es relativ einfach erscheinende Problemstellungen, die noch nicht angegangen wurden. So ist es zwar zu loben, dass sich im Zuge der letzten Jahre als Standardisierungsschritt zumindest eines durchgesetzt hat: Im Halsbereich des Implantates befindet sich meist ein Mikrogewinde, das dann in ein tieferes Gewinde übergeht. Aber immer noch gibt es metrische und Zollmaße. Ein Implantatsystem passt nicht zwingend zu einem anderen, was für den Anwender mit zusätzlichen Kosten für das Instrumentarium und für den Patienten zum Beispiel mit Schwierigkeiten beim Umzug und einem damit verbundenen Wechsel des behandelnden Implantologen verbunden ist. Zumindest bezüglich der verwendeten Schrauben und Gewinde sollte man sich auf einheitliche Größen – vielleicht zwei oder drei Größen mit den entsprechenden Schlüsseln – einigen. Das würde die tägliche Arbeit des Implantologen erheblich vereinfachen. Ich bin gespannt, welchen Trend wir im Hinblick auf eine stärkere Normierung auf der kommenden IDS möglicherweise sehen können.
Was würden Sie einem Implantologie-Einsteiger heute raten?
Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie bzw. Spezialist der Implantologie – das wird heute schon von den ganz Jungen angestrebt, manchmal gleich nach dem Examen! Hier sind sicherlich die einschlägigen Curricula sehr gut geeignet. Eine wesentliche Entscheidung besteht zum Anfang sicher darin, ob man sich vorerst nur implantatprothetisch weiterbilden, oder ob man die Implantate auch selbst setzen möchte. Im letzteren Fall empfehlen sich ohne Wenn und Aber Fortbildungen mit ausgeprägtem Praxisteil.
Speziell für den prothetischen Einstieg sollte ein erfahrener Chirurg zugezogen werden – für die Planung ebenso wie für die Abrechnung. Eine Planung von A bis Z ist eine conditio sine qua non. Die Abrechnung wird angesichts der restriktiveren Erstattungspolitik der Krankenversicherungen zunehmend wichtiger. Interessant ist darüber hinaus: Heute gibt es auch Fortbildungen, bei denen die Assistenz oder der Zahntechniker gleich mitweitergebildet wird – eine enorme Hilfe für die spätere Umsetzung in den implantologischen Alltag! Die Internationale Dental-Schau in Köln bietet hier die Gelegenheit zur umfassenden Information über alle Fortbildungsmöglichkeiten.





